Freitag, 13. November 2009

Depri in der Tagesschau...

Wer mich kennt, weiß, daß ich zu meinem blöden Depri, der sich ja unbemerkt von den Göttern in weiß chronisch bei mir eingenistet hat, stehe.

Ich mag ihn nicht so besonders, aber er ist ein Teil von mir.
Andere haben kurze Beine, dünne Haare oder sonstige nicht geliebte Schwachstellen -
Meine heißt Serotonin und ist im Hirn verankert.
Die kann man auch nicht wegoperieren lassen.

Man kann sie behandeln - symptomatisch - mit Pillen.
Mother's little helpers.
Nicht so mein Ding.

Depris - eine echte Krankheit, kein Mode-Wehwehchen.
Argwöhnisch bis mitleidig begrinst oder belächelt von der Öffentlichkeit.
Frau hat ihre Tage.
Nein, Ihr Ignoranten, ich habe meine Jahre.
Tag für Tag.
Wie viele andere Frauen und - hört, hört! - Männer auch.

Aber man/frau spricht da nicht drüber.
Ich schon.
Bin ja berühmt-berüchtigt dafür, daß ich das sage, was ich denke.
Und auf diesem Wege lerne ich viele Menschen kennen, die mir sympathisch sind, mit denen mich eine herzliche, offene Ehrlichkeit verbindet, die oft in einer wirklichen Freundschaft endet.

So.
Und nun wirft sich dieser Torwart vor einen Zug.
Und die vielen Filmsequenzen zeigen einen strahlenden, jungen, erfolgreichen Mann der - ja, der an einer Depression litt.
Da wäre ja niemand drauf gekommen!
Oh - scheint wohl doch was Ernstes zu sein?

Es tut mir menschlich gesehen unendlich leid, was dort geschehen ist - aber auf der anderen Seite bin ich stinkesauer, denn wenn Lieschen Müller sich vom Hausdach stürzt, kräht kein Hahn nach den Ursachen - nur nach der geilen Meldung.

Jetzt wollen sie was ändern.
Forschen - Psychiater zur Seite stellen (nein, man nennt diese Ärzte dann nicht Psychiater, sondern faßt das unter dem Begriff "intensive ...Betreuung" zusammen.
Sven Hannawald war ja damals auch kurz in den Nachrichten, nachdem er ausgeburnt war.
Danach kümmerte es keinen mehr.

Ich habe ja auch meine lose Klappe und lache gerne und fühle mich eigentlich völlig normal - na hallo, ich BIN auch normal! Was kann ich denn für mein Serotonin? Oder hat ein Diabetiker auch ne Macke???

Aber was es tatsächlich für Kraft und Energie kostet, jeden Tag irgendwie zu überleben, also ganz normale Dinge zu tun wie Einkaufen, Hunde Gassi, Aufräumen, Anziehen ... das kann nur derjenige nachvollziehen, der selbst in diesem Dilemma steckt.

Wie stolz frau ist, wenn sie so lapidare Dinge hinbekommt, und wie frustriert, wenn sie daran denkt, wie es früher war, als sie das mit links und nebenbei und vor allem mit Freude gemacht hat...

Und jetzt bin ich mal gespannt, ob nun wirklich endlich etwas getan wird dafür, daß es seriöse Aufklärung gibt über Depressionen, daß diese blöde Krankheit mal endlich aus ihrem peinlichen Schmuddeleckchen herausgezogen wird.
Und Hausärzte und Gynäkologen mal auf Akutstand getrimmt werden - denn eine Depression kann man rechtzeitig diagniostizieren, wenn man sich weiterbildet.

Oder ob sich alles wieder in Wohlgefallen auflöst...

Kommentare:

  1. Super... ja, es ist wie du sagst, man hat nicht seine Tage, sondern seine Jahre.
    "Hallo"... regelmäßig grüßt das Murmeltier. Ich hoffe, auf die Zeit, wo ich die Depression erkenne, wenn sie anrollt und nicht erst, wenn sie vorbei zieht. Dann könnte ich mir so manches Grübeln "ersparen" und einfach warten, bis es vorbei ist.
    Heute ist alles prima, ich bin gespannt auf morgen. ;o)
    Viele Grüße
    J.R.

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  2. Den Depri merkst Du dann, wenn Du feststellst, daß Du langsam abstirbst.
    Wenn das leben an Dir vorbeigeht und Du nichts mehr fühlst.
    Oder wenn Du nur noch erschwert atmen kannst, weil Dir Felsbrocken auf dem Brustkorb liegen.
    Oder wenn irgendwie gar nix mehr geht - und es für Dich eine Herausforderung ist, Dich aufzuraffen, um Aufzustehen und Dir dann auch noch nen Kaffee zu kochen. Und Du richtig stolz darauf bist, wenn es Dir geglückt ist.

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  3. ...und wenn du gehst und gehst und gehst, aber nicht da ankommst wo du hin willst.
    und wenn dann niemand für dich da ist.
    wenn du alleine bist.
    wenn die tränen fließen und nie mehr aufhören.
    wenn glas zerspringt.
    und wenn die finsternis länger dauert als alles andere.
    das licht weit weg ist.

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  4. Ich habe auch jeden TAg meine 50 mg Serotonin, ich bin froh darüber, schon in der ersten Einnahmewoche fühlte ich mich mal wieder als "Mensch", ich lag wie neugeboren auf dem Sofa und konnte ein Klavierkonzert von Beethoven hören und auch geniessen! Ich stehe zu meiner Depri und finde, die Gesellschaft muss sich dem stellen.
    Ich wünsche dir eine gute Zeit, ich mag übrigens den November!

    L.g. Claudine

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