| mein kleiner, geliebter Seelenhund |
Oder gestorben worden.
Oder besser - erlöst worden.
Ich war mir nicht sicher, aber es verfiel mehr und mehr.
Blind, taub und desorientiert.
Und dementsprechend auch ängstlich, verunsichert.
Wackelig auf den Beinen.
Ich durfte es ja kaum mehr anfassen.
Auf jeden Fall habe ich mir Montag ein Herz gefasst und unsere TÄ angerufen, und sie meinte, ich solle morgen nach Praxisschluss mit ihm vorbeikommen.
Sie hat ihn sich angeguckt und dann gesagt, es sei eine gute Entscheidung, es sei denn, ich wolle aus ihm einen Pflegefall machen.
Also hat sie ihm die Narkosesprite gegeben, während ich das Alien auf dem Arm hatte, und das Alien fand das ganz schrecklich und strampelte (klar, es raffte ja nix mehr) - und dann hab ich unser altes Knurr-Schnurr-Ritual (Ihr kennt das ja noch von früher... dieses gemeinsame, leise Knurren, was man absolut mit Schnurren vergleichen kann) - und schlagartig hat es sich beruhigt (nein, das war nicht schon Narkosewirkung).
Wobei, es ist etwas schwierig, zu schnurren, wenn man gleichzeitig am Heulen ist....
Sie stand daneben und meinte dann nur "hatten sie nicht erzählt, dass er von ihrer Katze erzogen wurde?"
Ja, antwortete ich, nur wenn ich das sage, halten mich die Leute für bekloppt.
Da schüttelte sie nur den Kopf (sie ist Katzenspezialistin) und lächelte.
| Siesta - Alien und Katzenliebe May Pen Lay |
Und dann ist es friedlich und endgültig in meinen Armen eingeschlafen.
Und ich heule immer noch.
Ich heule seit Montag Mittag - Rosi kann ein Lied von singen, die hab ich dann nämlich anrufen müssen - und ich habe mich gewundert, wie sehr Augäpfel brennen können, wenn sie lange nicht so bewässert wurden.
Und seit heute morgen heule ich weiter -
Ich kann nix dagegen machen -
es tut so weh...
Das Alien war nicht nur ein Hund, das war wirklich ein Alien und ein Stück von mir - ein Seelenhund eben.
Es hat mir in den letzten 12 Monaten die Wohnung und die Möbel vollgepisst, die Terrasse verschissen, mich nachts 3-6x aus dem Schlaf geholt, weil es irgendwo laut fiepend und wackelig vor einer Wand oder Schrank oder Stuhlbein stand und nicht mehr ins Schlafzimmer fand.
Aber das hat es sich verdient.
von seinen 17,5 Jahren haben wir fast 14 Jahre miteinander durch Dick und Dünn verbracht.
Es hat mich durch meine schlimmsten Zeiten begleitet und mich dabei trotzdem mindestens 3x am Tag zum Lachen gebracht.
Es liebte Autofahren,
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| Wer es nicht gesehen hat, glaubt es nicht - Joga übungen während der Fahrt.... |
war ein aufmerksamer Seminarhund, ließ sich unbemerkt in jedes hundefeindliche Edelrestaurant einschmuggeln (unter dem Flatteroberteil, wo es dann auch ab und an einen Happen abgab), versuchte alles zu poppen, was ihm unter die Vorderbeine kam - egal ob Bernhardiner oder Kater, liebte große Hunde...
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| 2002 - Gnä Frau, sie riechen soooo gut.... |
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| 2006 mit Balou - Bewacher des Balkons. Ich nehm' die Waden, du die Kehle (das Alien unten rechts...) |
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| nein, kein Gag - sondern notwendig bei Fahrtwind (auch im Cabrio) |
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| Sommerspaß 2006 |
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| 2002 - hier darf ich rennen!!! Hurraaaa! |
Nun ist es weg.
Einfach weg.
Zumindest haptisch.
Ich habe keinen Garten, und es irgendwo fremd zu vergraben - ne, das bringt es doch auch nicht.
Es wird in meinem Herzen weiterleben, in meinen Gedanken, in meinen Erinnerungen, in den Fotos...
Aber es ist da noch nicht angekommen. Das dauert noch ein Weilchen.
Wahrscheinlich muss es sich auch erst einmal mit der neuen Situation zurecht finden.
So wie ich erst einmal noch mindestens 3 Badewannen vollheulen muss.
Weil man ja immer, auch wenn es sinnvoll, "human" und eben notwendig ist, ein verdammt schlechtes Gewissen hat.
Immerhin habe ich die Verantwortung dafür, ein kleines, sehr langes Leben zu beenden, übernommen.
Auch wenn die TÄ meines Vertrauens mir Recht gegeben hat.
Ich kann auch noch nicht entscheiden, wo die Grenze zwischen humaner Verantwortung und möglicherweise auch sehr menschlichen "ich halte den Stress und die Verantwortung nicht mehr aus" liegt.
Aber das bringen Verantwortung und die daraus resultierenden Entscheidungen ja immer mit sich.
Ich möchte mich hier auch noch einmal bei Tatjana bedanken, die , wie viele meiner Freundinnen, den kleinen Scheißer kannte, und die für mich schon mal vorab auf ihrem Blog einen Nachruf auf meinen Katzenhund gebracht hat - ich war dazu erst einmal nicht fählig.
Und bei allen, die mir in diesen Tagen zur Seite stehen und meinen Kummer mit aushalten.
Ich bin ja überzeugt von einer Existenz nach dem Tode - egal, wie sie aussehen mag. Da mag ich mich nicht festlegen, denn das wäre wiederum Spekulation.
Der Priester, der die Totenmesse für meine Schwester gehalten hat, war auch davon überzeugt und erklärte das einem doch etwas verdutzem dörflichen katholischen Kirchenpublikum damit, dass er vor seiner Berufung Physik studiert habe.
Ich habe meinen Ohren nicht getraut, denn das war auch immer für mich die Begründung: "Energie geht nicht verloren" (einer von den 2 Grundsätze der Physik, die ich behalten habe).
Und das lasse ich jetzt einfach mal so im Raum stehen.
Irgendwann werden wir es wissen.
Jeder von uns.






