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Freitag, 16. März 2012

We proudly present:

Die Eulis.
Oder: die Owlies.

Eigentlich dachte omamo, sie habe jetzt einen "Eulerich" fertiggestellt, aber Euleriche bringen ja nun mal kein Glück, warum auch immer (so meinte sie zumindest - warum auch immer....)

Auf jeden Fall bat sie mich, hier den Prototypen mal vorzustellen:

13 cm hoch und einfach "knuffig".

omamo knurrte zwar wegen der Industrie-Plastik-Augen - aber euliger ging es nun mal nicht.

Und nun macht sie sich daran, weiteren Eulen zum Schlüpfen zu verhelfen.

Wobei es ihr im Moment nicht so gut geht (wir teilen uns unseren Depri, und sie hat da echt momentan den größeren Happen dran...) - aber vielleicht hilft Euli/Owly ihr ein wenig, all den ganzen Sch... zu verarbeiten oder zumindestens zu ertragen.

Es ist schon immer gut, wenn man eine Rückzugsmöglichkeit hat - also lassen wir sie in Farben, Ideen, Garne und was weiß ich eintauchen.

Donnerstag, 19. August 2010

Heidi und das Alien....

ich muss es jetzt doch einmal erzählen.

Zumal es Heidi (einer Freundin aus der Schweiz) gelungen ist, hier einen Kommentar zu meinem Posting "Alien und May..." hinterlassen. (Für Nichtblogger oft ein Riesenproblem)

Also...

2002 oder 03, ich weiß es nicht mehr so genau (eher wohl 2003??) beschloss ich, meine zunehmende Lethargie damit zu kurieren, dass ich einfach künstlerisch-kreativ wieder etwas mache.

Da ahnte ich ja gottseidank noch nicht, dass ich mich mitten in einem sich chronisch etablierendem Burnout befand - ja wie denn auch.

Also trickste ich meine Antriebsarmut per Internet aus und fand - wieso auch immer - einen "Schmuckkurs" in der Schweiz.
1600 Meter hoch auf dem Gitschenen über dem Vierwaldstätter See.
Eine traumhafte Unterbringung, phantastische Verpflegung und ein Superkurs!!!
Über die Serpentinen direktemang über dem See, die ich durchleiden musste, um endlich zur Liftstation zu kommen, schweige ich mich lieber aus. Ich habe sie übrlebt. Rauf wie Runter.
Trotz entgegenkommendem Postbus bei Runter.

Nicht nur, dass ich Briggi "wiedergefunden" habe bei diesem Kurs - nein, da war auch noch so eine ältere Lady aus Zürich, die sich tierisch darüber aufregte, dass ich einen Hund!!!! dabei hatte.

Wieso - ist das Alien eigentlich wirklich ein Hund????

Auf jeden Fall durfte das Alien immer schön auf einem extra Hocker bei allen Schleif- Schweiß- und sonstigen Arbeiten dabei sitzen - sehr zum Missfallen dieser Schweizer Dame.

Wir feindeten uns also fröhlich die ganze Woche an - sprich, wir fanden uns gegenseitig arrogant, intolerant und eben doof.

Dann kam der letzte Kurstag, und eben jene Dame hatte es sich in den Kopf gesetzt, uns allen ein Glas Sekt zum Abschluss auszugeben.

OK, ich bin ja kein Spielverderber, und die Woche war eh rum, normalerweise hätte ich ja von ihr nicht einen Tropfen angenommen - aber was soll's. Keep smiling.

Und während wir unsere Gläser hoben und auf unseren Goldschmied anstießen, machte sich das Alien unbemerkt vom Stuhl.
Ich weiß ja, dass es ein kleiner Diplomat ist und seine Fähigkeiten als Therapiehund hat er bei zig meiner damaligen Patienten schon bewiesen.

Aber ich achtete eben nicht auf es, sondern hob mein Glas wie alle anderen und wir tranken einander zu - und plötzlich - ein heller Jauler.
Nervzerreissend.
Auuuuuuuuuuuuuaaaaaaaaaa!!!!!!!!!!!

Die Hundehasser-Frau aus Zürich schrie ebenfalls auf -
sie hatte einen Schritt zurück getan und war dem Alien, was hinter ihr stand, voll auf die Pfote gestiegen.

Und jetzt passierte ganz etwas seltsames - sie hatte ein schlechtes Gewissen.
Und es war ihr so oberpeinlich.
Und das Alien saß da wie ein kleiner, komprimierter und scheinbar hilfloser Vorwurf.

Ich war überhaupt nicht böse, denn das Alien müsste eigentlich wissen, dass so etwas passiert, wenn es sich ständig an den Hacken der Menschen herumtreibt.

Also trösteten wir uns gegenseitig, und mit einem mal erkannte Heidi, dass sie keine Angst vor dem Alien haben musste - im Gegenteil.
Und ich erkannte, dass eine Phobie eben eine Phobie ist, irrational aber eben real.
Und mancher Mensch eben einfach so reagieren muss.

Und Heidi streichelte das Alien, und das Alien fand das dann alles ganz toll, weil so doll war der Tritt wohl doch nicht gewesen.

Seit dem mag Heidi das Alien und ich die Heidi.
Und die Heidi mich auch.

Und deshalb freue ich mich auch so ganz besonders, dass Du einen Kommentar hinterlassen hast.

Und verspreche, das nächste Mal bei Dir in Zürich einen Stop einzulegen!!!

Freitag, 13. November 2009

Depri in der Tagesschau...

Wer mich kennt, weiß, daß ich zu meinem blöden Depri, der sich ja unbemerkt von den Göttern in weiß chronisch bei mir eingenistet hat, stehe.

Ich mag ihn nicht so besonders, aber er ist ein Teil von mir.
Andere haben kurze Beine, dünne Haare oder sonstige nicht geliebte Schwachstellen -
Meine heißt Serotonin und ist im Hirn verankert.
Die kann man auch nicht wegoperieren lassen.

Man kann sie behandeln - symptomatisch - mit Pillen.
Mother's little helpers.
Nicht so mein Ding.

Depris - eine echte Krankheit, kein Mode-Wehwehchen.
Argwöhnisch bis mitleidig begrinst oder belächelt von der Öffentlichkeit.
Frau hat ihre Tage.
Nein, Ihr Ignoranten, ich habe meine Jahre.
Tag für Tag.
Wie viele andere Frauen und - hört, hört! - Männer auch.

Aber man/frau spricht da nicht drüber.
Ich schon.
Bin ja berühmt-berüchtigt dafür, daß ich das sage, was ich denke.
Und auf diesem Wege lerne ich viele Menschen kennen, die mir sympathisch sind, mit denen mich eine herzliche, offene Ehrlichkeit verbindet, die oft in einer wirklichen Freundschaft endet.

So.
Und nun wirft sich dieser Torwart vor einen Zug.
Und die vielen Filmsequenzen zeigen einen strahlenden, jungen, erfolgreichen Mann der - ja, der an einer Depression litt.
Da wäre ja niemand drauf gekommen!
Oh - scheint wohl doch was Ernstes zu sein?

Es tut mir menschlich gesehen unendlich leid, was dort geschehen ist - aber auf der anderen Seite bin ich stinkesauer, denn wenn Lieschen Müller sich vom Hausdach stürzt, kräht kein Hahn nach den Ursachen - nur nach der geilen Meldung.

Jetzt wollen sie was ändern.
Forschen - Psychiater zur Seite stellen (nein, man nennt diese Ärzte dann nicht Psychiater, sondern faßt das unter dem Begriff "intensive ...Betreuung" zusammen.
Sven Hannawald war ja damals auch kurz in den Nachrichten, nachdem er ausgeburnt war.
Danach kümmerte es keinen mehr.

Ich habe ja auch meine lose Klappe und lache gerne und fühle mich eigentlich völlig normal - na hallo, ich BIN auch normal! Was kann ich denn für mein Serotonin? Oder hat ein Diabetiker auch ne Macke???

Aber was es tatsächlich für Kraft und Energie kostet, jeden Tag irgendwie zu überleben, also ganz normale Dinge zu tun wie Einkaufen, Hunde Gassi, Aufräumen, Anziehen ... das kann nur derjenige nachvollziehen, der selbst in diesem Dilemma steckt.

Wie stolz frau ist, wenn sie so lapidare Dinge hinbekommt, und wie frustriert, wenn sie daran denkt, wie es früher war, als sie das mit links und nebenbei und vor allem mit Freude gemacht hat...

Und jetzt bin ich mal gespannt, ob nun wirklich endlich etwas getan wird dafür, daß es seriöse Aufklärung gibt über Depressionen, daß diese blöde Krankheit mal endlich aus ihrem peinlichen Schmuddeleckchen herausgezogen wird.
Und Hausärzte und Gynäkologen mal auf Akutstand getrimmt werden - denn eine Depression kann man rechtzeitig diagniostizieren, wenn man sich weiterbildet.

Oder ob sich alles wieder in Wohlgefallen auflöst...

Samstag, 4. Juli 2009

Streß ... noch eine Variante

Gestern abend durfte ich endlich meinen alten Willy (19) (das Ford'sche Wüstenschiff - sein Name ist Sierra) aus der Kurzzeitpflege abholen.
Eine Woche hat's gebraucht - und Willy ist wieder topfit und kam - zusätzlich geehrt mit einem funkelnagelneuen TÜV-Siegel - wieder zurück in unsere Senioren WG.

Nun steht der anstehenden Fahrt gen Süden ja nichts mehr im Wege außer Kofferpacken...

Und das bringt mich zum Thema Streß.
Oder - wie es Margot in ihrem Blog betitelte - "Langsamkeit" (03.07.09).
Vom Grundsatz her gebe ich ihr unumwunden recht.

Aber es gibt eben noch eine Variante von Streß - nämlich die Antriebsschwäche.
Die kennen allerdings nur die Betroffenen, die sich meist tunlichst darüber ausschweigen.
Weil sie entweder nicht wissen, was mit ihnen los ist und sich schämen, oder sie wissen es und schämen sich auch.

Ich bin da allerdings absolut schmerz- und schamlos.
(Suchwort: Depression)

Früher habe ich meine Koffer mit links gepackt - sauber organisiert, bei Urlauben Liste und Sammelbeginn ca. 1 Woche vorher, bei Terminen Liste (aktuell) und Köfferchen (wie immer, meist fertig und griffbereit wie ein Entbindungsköfferchen).

Dann schlich der Depri sich ein - äußere Umstände, gnadenlos, unverschuldet, plus völlige Überarbeitung über einige Jahre.... oooops - und ab da war dann alles anders.
Und ist es heute auch noch.

Denn - Therapie hin, Therapie her - wenn sich so ein blöder Depri mal so richtig eingeschummelt und eingefressen hat, dann bekommt das Leben andere Farben.

Shoppen?
Früher:
Klasse Entspannung, egal, ob man nun was gekauft hat oder nicht. Sehen, sehen, sehen.... vielleicht auch ein bisschen träumen oder dabei eigene Ideen entwickeln - einfach Klasse und entspannend.
Heute:
Kann doch bis morgen warten. Muß doch nicht sein.

Kofferpacken?
Oh Shit - ja, nachher - oder - mußte da überhaupt hin? Läßt sich doch vielleicht auch anders regeln....

Treffen?
Ah ja - schön - aber.....

Und so zieht sich das durch....
Und zwar durch alle Lebensbereiche.

Und alle, die sich so einen blöden "Überarbeitungs-Depri" (= sog. "Erschöpfungsdepression")eingefangen haben, werden wissen, wovon ich spreche.

Was auch bedeutet, daß jede/r, der so was auf Dauer hat (die Biester werden chronisch, wenn sie von unseren Göttern in weiß nicht rechtzeitig erkannt werden!) einen täglichen Kampf kämpft.
Und wenn man sich dabei dann auch noch geniert, dann ist es ja wohl schlicht unerträglich.

Und das erzeugt einen täglichen 24-Stunden-Streß (zumindest bei denen, die sich dagegen wehren), der seinesgleichen sucht.
Und den kann man eben nicht mit der Erkenntnis, daß weniger mehr ist und alles nicht so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird, abstellen.

Meine Erfahrung: Offen damit umgehen (zumindest im Freundeskreis - im Beruf ist das schon etwas anderes, leider!!!!).
Sich dann einfach darauf konzentrieren, was man selbst möchte, wenn... und das schrittweise angehen. OK - ich kann das jetzt ungeniert, weil ich das Alter dafür habe.
Wäre ich jünger, wüßte ich jetzt nicht, was es da für "Rezepte" gibt.

Trotzdem - und ich denke, das ist generell zu sehen - kürzer treten. Ohne!!!! schlechtes Gewissen.
Herzinfarkt - der ist akzeptiert.
Wer da nicht kürzer tritt, erzeugt nur Kopfschütteln.

Depri?
Kommt immer noch so ungefähr der "Migräne" einer sich verweigernden Frau gleich.
Oder gleich Vollmeise.

So - aber ich bin kein Psychdoc, aber das mußte ich jetzt nochmal zum Thema "Streß / Langsamkeit" loswerden.

Sonntag, 22. März 2009

Depressionen...

Nein, nein – keine Sorge, mir geht es gut!
Aber trotzdem möchte ich einmal aus aktuellem Anlass (betrifft eine Freundin) dieses Thema aufgreifen.

Eingangs, als ich diesen Blog eröffnet und Euch minimalistisch gezeigt habe, was ich so mache, war da auch der Entwurf des Bildes „Depression“ dabei (Im Januar-Blog).

Ich hoffe, das betrifft Euch alle nicht – obwohl ich weiß, daß einige sehr wohl unter dieser Erkrankung leiden.

Aber wie das so ist – so ein „Psych“-Kram wird dezent unter den Teppich gekehrt und man gibt sich lächelnd und völlig „normal“.

Na ja – man ist ja auch „normal“.
Aber man geniert sich.

In USA gehört es zum guten Ton, seinen gemieteten Freund (Psychiater / „rent a friend“) zu haben. In Deutschland ist das noch immer etwas sehr suspekt… von wegen „Macke“, „Knall“ oder so.

Na gut, dann habe ich eben ne Mackeo der auch nen Knall –na und?
Andere haben das auch, vermarkten das aber und verdienen richtig Geld damit.

Meine Macke ist unspektakulär und betrifft nur mich und mein Leben.

Ich hab es mir nicht ausgesucht, meine Macke ist biochemisch nachweisbar und ich hätte mir auch alternativ ein Bein brechen können.

Nur – der Beinbruch ist gesellschaftlich akzeptiert, meine Chemo-Macke im Hirn nicht.
Noch nicht.

Aber ich geniere mich nicht.
Im Gegenteil – ich bin fassungslos, wieviel Unwissen auch selbst bei den Medizinern herrscht…. und wie allein und hilflos man dann dasteht und die Welt plötzlich nicht mehr versteht.

Kennt Ihr das? Das Leben, in dem Ihr doch aktiv beteiligt seid, zieht an Euch vorbei wie ein Film – aber eher wie ein Stummfilm.

Gefühle? Ne, geht nicht mehr, ist alles ausgetrocknet.

Leben – Bewegung – Empfindungen – geht auch nicht mehr.
Am liebsten still irgendwo im Eckchen sitzen und abwarten – was auch oder worauf auch immer. Hauptsache, nicht bewegen.

Nur der Kopf arbeitet… und wehrt sich….

Und dann gehste zum Frauenarzt von wegen der Antriebsschwäche, und der verschreibt Dir Hormonpflästerchen, einfach auf den Bauch oder sonst wo hin zu kleben, denn das ist ja völlig normal, verlangsamt zu sein, wenn denn die Menopause eingetreten ist…

Na ja, eine Woche hilft es – es lebe der Placebo-Effekt - aber der hält halt nicht an.

Und dann geht es weiter, wie gehabt. Und man geniert sich, weil, man ist ja wohl nicht mehr normal und muß sich doch eigentlich nur zusammenreißen, aber das klappt auch nicht so recht – man funktioniert, ja – aber mehr auch nicht.

Nun, man funktioniert auch nicht mehr so, wie gewohnt, braucht länger selbst für Dinge, die man vorher „mit links“ erledigt hat. Aber der erlernte Trott hält einen in der Spur.

Und wenn die Hormonpflasterchen nicht helfen, dann vielleicht doch der Heilpraktiker? Also alternativ Globuli schlucken und Kaffeeverbot.
Hilft auch nicht.

Also einfach mal endlich was für’s Ego tun! Wellness für die Seele! Klar doch!

Hirn überlegt – was täte nun mal gut?
Urlaub? Ne, nicht wirklich. Schön, aber schon erfolglos probiert. Zu schnell hat einen der berufliche Alltag wieder eingeholt. "Abschalten" geht auch nicht wirklich...

Hirn besinnt sich zurück – und entdeckt ein uraltes alter Ego – die Sehnsucht nach Farben, Ateliergerüchen, Matschen mit Ton, Fotografieren, Spielen mit Stoffen und Garnen – ach, einfach mal wieder kreativ „die Sau raus lassen“.

Hirn analysiert, daß die bunte, spielerische Kreativität kompensiert wurde in berufsbegleitende Maßnahmen. Marketingstrategien, Dokumentationen, Seminare, Artikel in Fachzeitschriften….

Hirn trickst Bauch aus und organisiert die Teilnahme an einem Schmuckkurs in der Schweiz – 1600 Meter über dem Vierwaldstätter See.

Bauch merkt noch nichts, weil Hirn das am PC regelt und Bauch dabei gemütlich im Chefsessel sitzt.

Bauch erschrickt sich nur fürchterlich, als es ans Kofferpacken geht – aber Hirn spricht ein Machtwort – „bezahlt ist bezahlt!“ und Bauch zieht sich schmollend zurück.

Schmuckkurs – der war einfach Spitze.

ABER….

Hirn guckt morgens aus dem Fenster auf eine filmreife Alpenkulisse, guckt noch einmal rund auf ein wunderbares Hüttenzimmer, stellt fest, daß eigentlich alles perfekt ist und funkt an Bauch „ Hey, geht es Dir gut? Ich höre nix!“

Bauch braucht ein bißchen und nörgelt dann „ was willste eigentlich? Das Programm ist doch ganz nett!“

Hirn ist irritiert und fragt: „Was für ein Programm?“

„Na,das ganze Panorama und so.“

Hirn stellft fest, daß Bauch absolut nichts mehr fühlt und Leben als Film empfindet, in dem er nicht einmal mitspielt, sondern nur zuschaut und ist sehr beunruhigt.

Hirn registriert Kuhglockengeläute, Sonnenaufgänge, Blumen im Kasten vor dem Fenster, nette Leute, lustige Abende, interessante Kurserlebnisse – Bauch zuckt mit den Schultern und meint nur „Sorry, geht an mir vorbei“.

Hirn macht sich langsam richtig Sorgen und fragt nach der Rückkehr einen sehr guten Freund, was es denn wohl mit diesen komischen „Nicht“-Gefühlen auf sich hat.

Der sehr gute Freund ist ein Krankenpfleger, und der lacht nur und sagt: hey, Du hast nen Depri!

Na Klasse.

Ich dachte immer, die Depris heulen nur….
Wobei Hirn aufmuckt und meint „ja – und wann hast Du das letzte Mal geheult?“

Oh.

Hirn stellt fest: Deine Emotionen sind im A….
Bauch hält sich raus aus der Diskussion.

Hirn befiehlt, jetzt einen Facharzt aufzusuchen –in diesem Falle einen Psychiater.
Bei Zahnschmerzen den Zahnarzt, beim Beinbruch den Chirurgen, bei Kopfmacke eben den Psychiater.
Wo ist das Problem?

Hirn hat sich ja auch schlau gelesen – Depri heißt nicht, daß Mensch „verrückt“ ist – ne, das kann man nachweisen – da gibt es Probleme mit dem Serotonin im Hirn (Hirn schämt sich etwas, zuckt dann aber mit den Schultern und meint „Shit happens“).

Um es abzukürzen –

Mensch hat tollen Psych-Doc gefunden und dann 6 Wochen in einer traumhaften Psychklinik am Bodensee verbracht. Und ist seiner Krankenkasse für die Kostenübernahme heute noch dankbar und den Therapeuten dort für ihre Arbeit natürlich auch.

Bauch freut sich wieder an Gefühlen, kann wieder richtig heulen oder auch einfach nur einen knospenden Kastanienbaum bestaunen und Hirn ist insofern einigermaßen zufrieden.

Ein Problem bleibt – Bauch reagiert nur auf Hirn. Oder auch nicht, oder auch nur teilweise.
Vielleicht täuscht Bauch auch nur – der Psych-Doc hat attestiert, daß der Depri im chronischen Übergang sei…. Das Teil heißt eigentlich "Burn out Syndrom" und ein Syndrom kann doch eigentlich nicht so was Schlimmes sein... eher ne Mode"Krankheit"....

Hirn sagt: guck mal, ist der kleine Vogel da im Maschendrahtzaun nicht toll? Das ist ein Zaunkönig – die sind scheu und jetzt sehen wir ihn!

Bauch antwortet: Oh ja, oh, wie schön – ich seh ihn und ich freue mich darüber!
Das war’s dann auch.

Aber immerhinque.

Ansonsten möchte Bauch seine Ruhe haben, möglichst nicht aus dem Haus gehen, findet das Internet toll (was hatte der Vater damals verkündet, als er in den 50ern den ersten Fernseher aufstellte: „Jetzt kommt die Welt ins Haus!“) – ha! Mit Internet kommt sie wirklich!!!!

Hirn ist ziemlich sauer auf Bauch.

Hirn hat so viele Ideen…. und Bauch rundet sich (in seinem Alter darf er das, sagt er) und bewegt sich nur notgedrungen.
„Antriebsarmut“ nennt man das.

Eine der Nöte ist das Alien, was so 3x täglich auf Schnupperkurs gehen will.

Eine weitere Not ist, daß Hirn so einige Dinge gespeichert hat, die früher richtig Spaß machten und für das Wohlbefinden wichtig waren – Freunde besuchen, Urlaub machen, Malen, Ideen haben….

Na ja, und so verhalten sich Hirn und Bauch wie ein altes Ehepaar und raufen sich Tag für Tag zusammen oder auch mal nicht und Mensch macht ein nettes Gesicht, denn das hat Mensch gelernt.

Wie gesagt, mir geht es gut.

Und ich bin meinem Hirn unendlich dankbar, daß es den coolen Durchblick behält.
Und den Bauch – nicht immer, aber immer öfter – austrickst.

Aber mein Bauch mag Farben.

Also gebe ich sie ihm.
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