Donnerstag, 2. Juli 2009

Mauersegler...(1)

Gestern abend - alles fertig zum Gassigehen - das Alien bleibt innen vor der Tür stehen und schnuppert - mitten im Wintergarten.
Ich schaue nach - und was sehe ich?


einen meiner kleinen Mauersegler, die ebenfalls hier unterm Dach nisten und mir die Mücken vom Leib halten, wenn sie mit ihren phantastischen Flugmanövern durch die Luft schießen - ach, es ist einfach nur schön, ihnen zuzuschauen.

Erst dachte ich, er wäre tot - trotzdem - vorsichtig mal mit dem Finger gefühlt - NEIN! ein warmer Rücken, eine kleine Bewegung mit dem Kopf - wahrscheinlich ist er durch die offene Terrassentür hereingesaust, hat die Kurve nicht bekommen und ist voll gegen die gegenüberliegende Scheibe geknallt.
Wozu habe ich da eigentlich Raubvogelsilhouhetten daran kleben?????

Rabiata meinte nüchtern "Schädelhirntrauma - da kannste nix mehr machen!"
Ich hätte der Alten ja so was von.... aber das hätte ja auch nix geholfen, und wo sie Recht hat, hat sie Recht.

Aber hier innerhalb der Räume soll er auch nicht so liegen bleiben... vielleicht ist es ja doch nicht so doll - ich guck mal - und ganz vorsichtig nehme ich den kleinen Vogel in meine Hand.
Der ist so benommen, daß er überhaupt nicht ängstlich ist, sondern mit beiden Füßchen meine Finger umkrallt und sich regelrecht in die Hand einschmiegt.

Heul!!!!!!
Jetzt kann ich doch nicht Gassi gehen!


Gaaaanz vorsichtig taste ich die Flügel ab - er bewegt sie, scheint auch nicht gebrochen.

Meine Saatkrähe, die ich als Teenager hatte (und die natürlich frei herumflog ((wir lebten damals auf dem Land)) und ebenso natürlich immer wieder kam, denn ich hatte sie gezähmt) liebte es, im Nacken und am Hals gekrault zu werden (so begann auch unsere Freundschaft).
Also kraule ich ganz vorsichig den Nacken des kleinen Mauerseglers - und er schließt und öffnet die Augen, so wie es Jockele auch immer getan hatte.

Gut, soweit - aber was nun?
Geht's wieder?
Willst Du fliegen?

Ich öffne die Hand, (halte sie aber mit der einen Seite dicht an meiner Brust) und er stellt sich hin, tappst - und schwupps, hängt in meinem Kleid über der Brust.
Und will da auch nicht mehr weg.

Ich versuche es ein paar mal - will den Kleinen aber auch nicht so strapazieren, also bleibt er eben da.
Und nun?
Das Alien steht da schon mit gekreuzten Beinen "ich muß mal!!!!!"

Shit.
Ich kann den kleinen Vogel ja mitnehmen - und wenn er draußen tatsächlich wieder zu sich kommt, dann ist es ja optimal...

OK. Beten und versuchen. So weit isses ja nicht.
Versuch klappt, wir rennen durch's Treppenhaus und sind ganz schnell wieder draußen.

Der kleine Mauersegler klebt an mir wie eine Brosche, so daß Holger aus dem Laden kam und die beiden Fotos machen konnte:


Wieder zu Hause saß ich dann mit meiner Mauerseglerbrosche erst einmal ein Weilchen auf der Terrasse und wußte nicht weiter.
Helfen - geht nicht.
Und man soll so was ja auch nicht vermenschlichen.
ha,ha!
Mit reinnehmen - geht schon gar nicht.
Nestbau? Ich hab doch noch irgendwo hier draußen das Amselnest aus der Zeit, wo hier noch die drei Birken standen... da sitzt doch jetzt der kleine Tonrabe drin...
Tonrabe raus, Nest auf den Boden in geschützte Ecke, Mauersegler rein - ne, ist nicht, gefällt ihm nicht. Er strebt auf den Zwischenraum zwischen unterem Fensterrand und Fliese. So wie vorher im Innenbereich.
Also lasse ich ihn da, er scheit sich dort geschützt zu fühlen.
Wahrscheinlich wird er sterben....
Und dann saß ich beim TV und die Mauersegler brachen zu ihrer Abendparty auf - (so gegen 20:15 für gut ne Stunde, wie jeden Abend) - im Pulk von 15-20 und in kleineren Formationen, und sie flogen und zwitscherten und flogen und zwitscherten - und ich saß da und heulte.
Das war ja schlimmer als ein Disneyfilm .... nur bei dem wären dann die anderen Mauersegler gekommen und hätten ihn aufgemuntert....
Heute morgen (05:30) geguckt - keine Bewegung mehr. Und kühl.
OK.
Also werde ich ihn beim Gassigehen beerdigen.
Um 07:00 mit kleinem Karton raus - oops - jetzt ist der Kopf wieder oben!
Er lebt!
Und wieder geheult - aber vor Freude. Oder Hoffnung. Hoffnungsvoller Freude.
Eben geguckt - (09:15) - er hat sich weiter bewegt.
Nacken gekrault - Kinn gekrault - oops - er flattert! (Am Boden)
Aha.
Hurrrraaaaa!
Er mag den Menschenfinger nicht mehr!
Rückzug auf der ganzen Linie.
Ich lass ihn jetzt völlig in Ruhe - vielleicht schafft er es ja.
Und die Family ist auch gerade wieder laut zwitschernd unterwegs....

Kommentare:

  1. Menno ist das spannend und glatt zum Mitheulen!!!!!!!!!!!!!
    Liebe Grüsse und hoffentlich ist der kleine Pöhks mittlerweile wieder bei seiner family.....

    Petra

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  2. Hui, hatte ich ne Gänsehaut............. Mir wärs auch so gegangen. Ich hab beim lesen richtig mitgefiebert, als ob ich live dabei gewesen wäre.

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  3. Liebe Mo,
    welch schöne Geschichte! Ich hoffe mit dir, dass der kleine Mauersegler es schafft (und nicht gleich in die nächste Mauer segelt...)!
    Ich habe im Moment auch so ein kleines Geschöpf am Hals ;-)
    Herzlich,
    Katarina

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  4. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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