Samstag, 21. November 2009

Städte-Bau-Politik... (!!!)

Ich bin seit Wochen so was von stinkig und blubbere in der Ohnmachtsbrühe normaler Bürger/innen, die nicht involviert in Finanztaktiken städtischer Haushalte und deren Politik und sind.

Meine Leser/innen kennen unser Misburger Wäldchen - ja, das, wo einem - auch im Sommer - schon mal frühmorgens ein Reh über den Weg läuft oder eine Fuchsfamilie, wo es Bärlauch, Aaronstäbe und Pilze, Silberpappeln, Kastanien, Birken, Buchen, Kiefern und Hainbuchen, eine große Wiese (Spielplatz für Hunde), ein mickriges Bächlein (der Schreck aller badefreudigen Hundehalter/innen) und Buntspechte, Rotkehlchen, Dompfäffe, Eichhörnchen und Maulwürfe, nervige Radfahrer, zwei Hände voll relativ gesitteter Alkis, Wildpinkler und jede Menge Hunde mit und ohne Leine gibt.

Dazu muß man auch wissen, daß sich diese Idylle hinter dem Mini-Einkaufszentrum abspielt, das Anfang der 90er Jahre hier anstelle des damaligen kleinen Bauernhauses mit seiner großen Wiese und den Gänsen darauf errichtet wurde.
Gut zu sehen schon mal die vorderen Reihen der ca. 100 Silberpappeln - unendlich hoch und bekannt dafür, daß sie die absoluten Feinstaubfilter sind.

So. Und was ist nun beschlossene Sache?
Man wird die Straßenbahn weiterbauen - bis in das "Herz von Misburg".
Prima, ich finde es auch erleichternd, wenn ich nicht immer erst in den Bus steigen müßte, um dann einige Haltestellen später nach einiger Wartezeit auf einem zugigen aber Rollstuhlgerechten Platon in die StraBa umsteigen zu können.

Nur - die Stadtväter haben gepennt.
Eine vor Jahren mögliche Schienenführung durch bereits bebautes Gebiet wurde nicht durchgeführt - warum auch immer.

Eine Schienenführung geradeaus über unsere Straße ist nicht möglich, da sie zu schmal ist.
Genau!
Da ist doch noch das Wäldchen.... ohne Bürgersteige und Kanalisationen...

Also wird man jetzt - häusernah von hinten - die Trassen dort verlegen.
Nein, nicht aufregen - man macht das so wäldchenschonend wie möglich.
Immer an der Wand lang... also an der bestehenden rückwärtigen Häuserlinie.

Die freuen sich alle schon darauf, endlich die Straßenbahn an ihren Gärten vorbeifahren zu sehen.

Und die Hundewiese, die Silberpappeln, das Bächlein, ja sogar das alte Forsthaus! werden dann plattgemacht.
Und noch nen größeren Parkplatz (neben dem alten Forsthaus, was es dann nicht mehr gibt) bekommen wir dann auch.

Das ist ja auch alles gar nicht schlimm, wenn man bedenkt, daß damit die noch verbleibenden ca. 1,5 km StraBa-Strecke, die unseren Stadtteil vom Rest der Welt nach Norden abschneiden, dann getilgt sind. (andere Richtungen müssen weiter die Busse nehmen...)

1,5 km, weil bis dahin die StraBa gerade ausgebaut wird - ohne größeren Schaden anzurichten.

Aber anscheinend ist noch Geld über, das unbedingt dort hineingesteckt werden muß, anstatt irgendwo anders, wo es nötiger wäre, investiert zu werden.

So, und jetzt guckt mal, was dann alles wegsaniert wird (ich stelle nicht alles ein, das würde den Rahmen sprengen )

Silberpappeln
Waldweg
Bächlein
Teile des Wäldchens
Pilze
Und noch so eine aberwitzige Geschichte - der Hainbuchengang....
Vor einigen Jahren als "Projekt" "restauriert" - mit viel Bimbamborium und Gedenkstein mit Bronce-Platteninschrift, ehemaliger "Laubengang", es wurden extra neue Hainbuchen (rechts) gepflanzt und ein richtiger Weg (parallel zum vorhandenen) angelegt.

Wohl eher zum Angucken oder als ABM - auf jeden Fall war's das dann und danach kümmerte sich kein Schwein mehr darum.

Trotzdem - die alten Hainbuchen sind wunderschön, aber stehen nun auch im Weg, wie das rechts dahinter liegende alte Forsthaus.
Na ja - dann können die Stadtväter ja ne neue Platte gravieren lassen -

Hier stand einmal....
und dafür endet hier jetzt die Straßenbahn. (Misburger Chronik 2010?).

Kommentare:

  1. ich rech mich mit auf - ganz solidarisch. Postiert Euch - wenn Arnie sich aufbaut, rollen die Planierraupen schon wieder von dannen...

    Mir ist und bleibt so etwas auch immer ein Rätsel...bei uns werden auch unendlich viele Gelder in fette Einkaufszentren geblasen, die mit Geschäften vollgestopft sind, die es sowieso bereits an jeder Ecke gibt.

    Liebe Grüße
    J.R.

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  2. Das Zauberwort heißt Subvention oder wie auch immer - auf jedenfall GELD.
    Geld, das man einenteils ausgeben muß, damit man wieder Neues erhält (wer nix ausgibt, braucht auch nix),
    Das 2. Zauberwort heißt Ankurbelung der Wirtschaft / Handwerksbetriebe und Arbeitsplätze und das 3. Zauberwort (aber nur hinter verschlossenen Türen) "Gewerbesteuer".
    Ich fühle hier voll mit Ritter Götz von Berlichingen.

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Hier freue ich mich über Eure Kommentare...

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